UNSER HAUS / 1988
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(1) Unser blaues Haus glich mehr und mehr dem Labor eines Alchemisten Meine eigenen Versuche liefen parallel zur Evolution Ich spielte mit Dynamit und zündete Atombomben in meiner Magengrube Mit schriller Flugechsenstimme sang ich über den Überlebenskampf in einem unheimlichen Haus (2) Alle Melodien sind unerreichbare Gewässer gefrorene Quallen im Nichts Chimären der brotlosen Ernte aufblühende schwarze Sonnen Die Kinder der Sterblichen stimmen mit der Dunkelheit überein ein kühler Wind singt über Rätselhafte, arme Gequälte: Ich möchte Magnet in einer Metallwelt sein (3) Wie wir die eisigen Nächte in unseren Breitengraden überstehn: Kondore & Adler bewachen unseren Schlaf Kondore & Adler müssen in die Öffnung über uns sie ziehn ihre Kreise am greisen Firmament gehoben von Lotusduft und Kampfer schwerelos ... die Mütter sind erwacht (4) Einst schwamm ich träge durch dunkele grüne Kanäle und Kellerteiche Der Mond schien ... spermaweiß troff sein Licht sanft über unsere nackte Larvenhaut Ich hob meine Hand und sah mich träumen ... geboren als Kreatur (5) Eine späte Mahlzeit und ich biete euch meinen besten Teil: den Schnabel! Raubvögel im Fangflug scharfe Schnäbel und Krallen alle Engerling und trägen Molche müssen jetzt raus aus ihrer lauwarmen Molke bis sie mit dem Kopf in seinen Schnabel fallen (6) Treibt die Ungeboren zurück ins Herz der Nacht Keimlinge durchstossen bereits den Asphalt (7) Worüber denkt der Junge denn nach? Über die Zeit vor seiner Geburt? Wir hören Einflüsterungen an seinem rechten Ohr (sein Löwenohr): "Luftströmungen bewegen sich nach unten auf ein Gebäude ohne Keller Man kann ein Bild auf die eine Seite der weiter innen liegenden Räume einritzen. Das Bild eines Fisches bedeutet 'Blitz fangen', und mit dem Zeichen 'Fisch' (es ist aber gleichgültig) verbrennen Winde ihr eigenes Zeichen sie blasen die Eiskristalle aus den Erdschichten. Binde den Magneteisenstein an und das Gebäude explodiert." (8) Wovon träumt der Junge jetzt? Jetzt will er Indianermutter sein... (9) Ich werde eiserne Früchte pflücken, wenn sie betörenden Duft verströmen und wenn sie dies nicht tun. Wenn sie pulsieren wie Quasare oder wie schwarze Diamanten, dann ist es mir auch egal. Hier sind die Dämönen die mein Haar in Brand stecken und mir den Willen zur Macht befehlen. (10) Also, auf geht's... ich hab' mich selber huckepack und lache mit der Landschaft. Der weise Mond liegt auf den Wellen einmal zerteilt und einmal wieder ganz. (11) Plötzlich umgeben von Idioten. Schaut sie euch gut an! Das sind nicht meine Freunde. Und alle unisono: Das Dritte Auge auf und durch!!! (12) So habe ich mir die Erleuchtung nicht gedacht, mein Guter. Das hier ist ja hellichte Nacht! Fang doch! (13) Er erinnert sich an etwas das noch nicht geschehen ist. (14) Er erinnert sich an die Mütter seiner Mütter. An die Nordpuppe. Die Grosse Öffnung über ihm und das Grosse Sternentor seiner Augen in ihm. (15) Kommt zu mir, ihr Kleinen. Ich bin der Metall-Busch und erzähl euch Magnetgeschichten. Ich bin Löwenköter und ihr sollt meine Zottelmähne werden. Mein nagender Ring. (16) Die Begegnung mit meinen Ahnen liegt noch vor mir und all meine Gewissheiten sind dahin Die Grausamkeit meines Geschlechts geht zurück auf sibirische Nomaden Hütet euch vor ihrer Freundlichkeit es ist die lange Nacht der Sonnenwende Ich höre den samtenen Nachtfalter bereits Er duftet nach Moschus Er hütet das Geheimnis der Zeit (17) Die ganze weite Erde ist ein Haus. Aber Vorsicht Madame, sie steigen nämlich ins Schattenreich hinab. In den Keller. Der Eingang zur Unterwelt? Hier ist er ... (18) Guten Morgen! Wenn einer in die Grube fährt, wächst ein anderer woanders nach. So ist das eben. Ich halte dich nicht auf auf deinen Abgrundwegen, ich bin selber ein Passant. (19) Woran denkt das alte Weib denn? An eine Korona aus Eisen, an einen Galopp? (20) Ich wünsche mir Reinigung durch Feuer und Rauch (21) Ich wünsche mir Reinigung durch fallende Ozeane (22) Ich wünsche mir eine Hundsgeburt (23) Ich wünsche mir Erkenntnisdruck (24) Du bekommst was du wünschst und kriegst was du brauchst. Aber du brauchst nicht, was du wünschst. (25) Ich drehe dem Schöpfer des Traumes eine lange Nase und mache es mir gemütlich. |